Worms

Worms, 2010

Worms Info

Wie alt die jüdische Gemeinde in Worms ist, weiss niemand genau. Archäologische Spuren deuten auf Römerzeiten hin. Sicher ist nur, dass der Rabbi Gerschom ben Jehuda, auch bekannt als die Leuchte der Diaspora, jüdische Geldmänner aus Worms, die im Jahr 960 bei einer Messe in Köln anwesend waren, erwähnte. Im Jahr 1034 war die Wormser Gemeinde gross genug, ihre von Jakob ben David und seiner Frau Rahel gestiftete Synagoge zu errichten. Worms gehörte zu den drei einflussreichsten Städten der aschkenasischen Welt, den sogenannten SchUM-Städten (Abkürzung der hebräischen Anfangsbuchstaben von Speyer/Schpira, Worms/Warmaisa und Mainz/Magenza.) Eine berrauschende Zeit, in der die Wormser Juden ausreichend Selbstbewusstsein und Stolz auf ihre Stadt besassen, die sie nicht zu schüchtern waren, „Klein Jerusalem“ zu nennen, und der Legende nach einen Zurückruf von den Rabbis in Jerusalem mit den Worten abzulehnen: „Ihr wohnet im gelobten Lande; ihr habt einen Tempel; ihr habt eine Gottesstadt, und wir haben eine.“

In der Tat! Sie hatten auch einen Friedhof, der vermutlich zeitgleich mit der Synagoge gebaut worden war. Sein sagenumwobener Name basiert auf der Gechichte, dass Sand mit Mühe und erheblichen Kosten aus dem heiligen Land herbeigeschafft und auf das Gelände gestreut wurde. Der Heilige Sand ist der älteste und am längsten kontinuierlich genutzte jüdische Friedhof in Europa, denn trotz mehrerer verheerender Pogrome im Mittelalter, konnte jüdisches Leben immer wieder aufblühen. Der Friedhof war im Jahr 1911 voll belegt und die wenigen noch erlaubten einzelnen Bestattungen in Familiengräbern endeten im Jahr 1937. Nach der Nazizeit wurde die Gemeinde nie wieder erneuert. Da ihr Friedhof aber weder von den Nazis noch den Bomben der Allierten massiv zerstört wurde, gibt es heute nach Restaurierungen 2500 immer noch in Situ belassene Grabsteine. Mehr als 700 davon stammen aus dem Mittelalter, von denen der älteste erhaltene Grabstein (Jakob ha-Bachur) vom Jahr 1076 datiert. Im „Rabbinertal“ findet man eine besonders hohe Dichte an berühmten Gelehrten. Wegen dieser vielen prominenten Rabbis kommen immer noch Pilger, um ihnen Ehre zu erweisen, Kerzen anzuzünden und Gebet- und Wunschzettel auf den Grabsteinen zu hinterlassen.

Man weiss auch nicht warum die Gräber auf Heilige Sand nicht in der üblichen Richtung gen Osten und Jerusalem orientiert sind. Irgendwie ist es jedoch passend, dass die Grabsteine Wormser Juden gen Süden gerichtet und ihrem eigenen Tempel zugewandt sind.

How old the Jewish community in Worms really is, no one knows. Archeological traces suggest Roman times. We know for sure, that Rabbi Gershom ben Yehuda, known as the Light of the Diaspora, mentioned that Jewish gold dealers from Worms attended a trade fair in Cologne in the year 960. By 1034, the Worms community was large enough to build a synagogue with funds from Jacob ben David and his wife Rachel. Worms belonged to the three most influential cities in the Ashkenazic world, the so-called SchUM cities (an abbreviation of the first letters of their Hebrew names: Speyer/Schpira, Worms/Warmaisa und Mainz/Magenza.) A heady atmosphere , in which the Jews of Worms had enough self-confidence and pride in their city to call it Little Jerusalem. According to legend, their response to Rabbis in Jerusalem who ordered them to return there, was: “You live in the Promised Land; you have a temple, you have a city of God, and we have one too.”

Indeed they did! They had a cemetery as well, that presumably was built at the same time as the synagogue. Its name is shrouded in legend and comes from the story that sand from the Holy Land was brought to Worms, with great effort and at considerable cost, and strewn over the grounds of the cemetery. The Heilige Sands (Holy Sands) is the oldest cemetery in Europe and in fact the one in longest continual use, because, despite several devastating Pogroms in the Middle Ages, Jewish life was able to blossom time and again. The cemetery was full in 1911 and the few burials in family graves, that have been thereafter allowed, ended in 1937. After the Nazi era, the community did not recover. But since neither the Nazis or the Allied bombs had caused serious damage, there are, after some Renovations, about 2500 gravestones still standing in their original places. More than 700 date from the Middle Ages, the oldest of which (Jakob ha-Bachur) is from 1076. The number of famous learned men in the “Valley of the Rabbis” is high and pilgrims still come to honor them. Visitors light candles and leave behind slips of paper with written prayers and wishes.

No one knows either, why the graves in Heiliger Sand are not oriented, as is customary, toward the east and Jerusalem. Somehow, it’s suitable, though, that the gravestones of Wormser Jews face south toward their own temple.

Worms

Synagoge/Synagogue, Worms, 2010